Mittwoch 13. Dezember 2017
© Alexandra Straub-Kaserer
Alumni-Karrieren

Kernkompetenz: Fragen!

 

WIE ICH WURDE, WAS ICH BIN. Am LIVING BOOK DAY, veranstaltet von UNIPORT, kamen Studierende und AbsolventInnen in den Großen Lesesaal der Universitätsbibliothek, um in Berufsbiografien spannender Persönlichkeiten zu „schmökern“. Die ORF-Journalistin
und Uni-Wien-Alumna Gabi Waldner öffnet für univie noch einmal ihre Seiten.

 

Text: SIEGRUN HERZOG   |  Artikel als PDF aus: univie 01/2012

 

© Suchart Wannaset

"Fragen über Fragen": Diesen Titel wählte Gabi Waldner für ihre Berufsbiografie.

 

Sie ist hartnäckig, sie ist kritisch, sie ist redegewandt. An diesem Mittwochvormittag ist Gabi Waldner aber vor allem eines: müde. Es ist der Tag nach der Sendung, ihrer Sendung, dem innenpolitischen Magazin „Report“, das sie seit 2009 immer dienstags um 21.05 Uhr im ORF moderiert. Und da Gabi Waldner nun einmal ein reflektierter und selbstkritischer Mensch ist, fragt sie sich nach jeder Sendung, ob sie auch alles richtig gemacht habe, ob sie aus ihrem Studiogast auch wirklich alles rausgekitzelt habe, für die ZuseherInnen. Was Gabi Waldner nämlich am besten kann ist fragen. „Fragen über Fragen“ lautete daher auch ihr Buchtitel als „Living Book“.
Mit Sachkenntnis, sprachlicher Brillanz und Souveränität heizt sie ihren Studiogästen, allesamt Größen der heimischen Innenpolitik, meist kräftig ein. Dabei war ihr Verhältnis zum Fragen früher ein gespanntes. „Ich habe mich lange Zeit davor gefürchtet, Fragen zu stellen und mit einer Frage preiszugeben, dass ich zu wenig weiß“, erzählt Waldner rückblickend. „Aber man sagt ja, dass man mit seinem Beruf gewisse Dinge bewältigen will. Vielleicht ist das bei mir auch so“, meint die 43-Jährige augenzwinkernd. Dieser Komplex aus der Kindheit habe jedenfalls dazu geführt, dass die ORF-Journalistin stets sehr viel Arbeit in die Vorbereitung stecke, was natürlich beim Fragen helfe.

Vom Radio zum Fernsehen

Den Berufswunsch, Journalistin zu werden, hat die gebürtige Kärntnerin erst relativ spät verspürt. Mit Anfang 20, als sie bereits einige Studienrichtungen ausprobiert, „das Vorlesungsverzeichnis rauf und runter inskribiert“ hat, wie sie schmunzelnd anmerkt. „Mein Tagesablauf war damals von den Ö1-Sendungen geprägt. Da habe ich mir gedacht, das ist so interessant, das würde mir gefallen. Als ich dann Jahre später tatsächlich als Redakteurin bei Ö1 anfing, konnte ich mein Glück kaum fassen, dass ich jetzt auch dabei bin.“ Den Fuß in die Tür bekam die Absolventin der Publizistik und Politikwissenschaft durch ein Volontariat in der zentralen Nachrichtenredaktion im Hörfunk. Und Waldner blieb beim Radio, moderierte Sendungen wie die politische Diskussionsrunde „Im Klartext!“ und brachte es bis zur stellvertretenden Innenpolitik-Ressortleiterin von Ö1, bis sie 2006 zum Fernsehen wechselte. „Wenn Sie was im Fernsehen sagen, was Peinliches oder was Aufregendes, dann ist das viel eindrucksvoller, als wenn es Ihnen jemand ins Ohr erzählt. Das ist schon die Macht der Bilder“, nennt Waldner die Vorteile gegenüber dem Radio. Doch auch an manche Oberflächlichkeit habe sie sich erst gewöhnen müssen, gibt die „Report“-Moderatorin zu. „Wenn die Frisur nicht sitzt, kriegt niemand mehr mit, was ich frage“. Wann Gabi Waldner ein Interview für gelungen hält? „Nie!“, entgegnet sie lachend. Man müsse sehen und spüren können, was beim Interviewgast abgehe, dass er etwas von seiner Persönlichkeit preisgebe oder argumentativ in die Enge gerate und dass man ihm das auch ansehe.

Dranbleiben und an sich glauben

Ihre Studienwahl bereut sie nicht. Nur ihr Jus-Studium nicht abgeschlossen zu haben, tut der Innenpolitik-Journalistin heute leid. Denn Gesetze lesen und verstehen zu können, sei schon hilfreich, wenn man sich mit den Mechanismen der Politik auseinander setze. Seniorenstudentin wolle sie aber keine mehr werden, betont die Vielbeschäftigte, dafür gäbe es noch zu viele andere Pläne. AbsolventInnen rät sie vor allem: nicht verzagen! Eine von Tausenden zu sein, könne schon entmutigen, „doch wenn man einmal weiß, was man will und wohin man will gibt es nur eins: dranbleiben, an sich glauben und so viel Praxiserfahrung wie möglich sammeln.“
Dankbar ist die Robert-Hochner-Preisträgerin von 2008 ihren Eltern. Sie hätten, selbst aus bescheidenen Verhältnissen kommend, alles Geld in die Ausbildung der vier Kinder gesteckt. Neben Gabi Waldner steht auch ihr Bruder Wolfgang Waldner, Staatssekretär im Außenministerium, in der Öffentlichkeit. Die ORF-Journalistin fand es anfangs problematisch „plötzlich ein Familienmitglied in der Bundesregierung zu haben“. Eine saubere Trennung ist für sie selbstverständlich.

Lachen als Ventil

Energie tanken im stressigen Alltag kann Waldner im Burgenland, wo sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Kurier-Karikaturisten Michael Pammesberger, ihre „Bauernhausruine“ renoviert, „in der Erde wühlt“, kocht, Wein sammelt und genießt. Humor sei für sie essentiell, zu Hause wie im Studio. „Wenn ich nicht mehr lachen kann, dann bin ich tot“, meint Gabi Waldner (natürlich lachend). Dafür, dass ihre Interviewgäste auch künftig nichts zu lachen haben, will sie aber weiterhin sorgen. Ihr macht der Job als Fragenstellerin der Nation – dienstags im „Report“ – nach wie vor großen Spaß.

 

 

LIVING BOOK DAY

 

Suchart WannasetRund 60 Persönlichkeiten gaben beim zweiten LIVING BOOK DAY am 30. November 2011 Einblicke in ihren beruflichen Werdegang. Studierende und AbsolventInnen konnten die „Living Books“ für ein etwa halbstündiges Gespräch entlehnen und erhielten wertvolle Tipps für die eigene Karriere. Der LIVING BOOK DAY wurde von UNIPORT – Karriereservice der Universität Wien – ins Leben gerufen. Der nächste ist im Frühjahr 2013 geplant.
www.livingbookday.at

 

                                              

Hauptsponsor                           Partner Medienpartner
                                
         

 

 

Weiterführende Angebote für Alumni/ae:    » Uniport Karriereservice    » Postgraduate Center

 

Sind Sie schon auf der Alumni Map?

 

Alumniverband der
Universität Wien
Campus der Universität Wien
Spitalgasse 2, Hof 1.5
A - 1090 Wien

T: +43 1 4277 - 28001
F: +43 1 4277 - 9280
E-Mail

http://alumni.ac.at/