Montag 24. April 2017
© Alexandra Straub-Kaserer
Alumni-Karrieren

Wenn Unternehmen Gutes tun

 

DREI BUCHSTABEN GANZ GROSS. Sich mit dem Arbeitgeber zu identifizieren und die eigenen ethischen Werte auch im Beruf umsetzen zu können, das ist der Wunsch vieler Alumni. univie hat drei AbsolventInnen aufgespürt, die im CSR-Bereich mitgestalten. Sie geben Einblick in ihren CSR-Alltag – in einem Produktionsbetrieb, einem IT-Unternehmen und in einer Interessenvertretung.

 

Text: MICHAELA DÜRMOSER  |  Artikel als PDF aus: univie 01/2014

 

© Alexandra Straub-Kaserer

Immer mehr heimische Unternehmen heften sich das Thema CSR an die Fahnen und engagieren sich für Umwelt und Gesellschaft. Alumni berichten aus ihrem CSR-Alltag.

 

 

Was hat ein Müllsack, der von selbst verschwindet, mit jährlich über 30 Millionen Setzlingen in russischen Wäldern gemeinsam? Wie kommt es, dass IT-ManagerInnen in Klassenzimmern stehen? Das sind nur einige Beispiele für CSR – drei Buchstaben, die bei immer mehr heimischen Unternehmen ganz groß geschrieben werden: Corporate Social Responsibility, das Bewusstsein und Umdenken, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu übernehmen. „Ein Unternehmen kann nur in einem stabilen gesellschaftlichen Umfeld florieren, daher sollte auch jeder ökonomische Nutzen einen Mehrwert für die Gesellschaft haben“, erklärt Isabella Luschin, CSR-Verantwortliche bei IBM Österreich, die Motivation für das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen.

 

Ob im ökologischen, ökonomischen oder sozialen Bereich, der Wunsch, durch die berufliche Tätigkeit einen sinnvollen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu leisten, ist für Christian Friesl, der bei der Industriellenvereinigung den Bereich Bildung & Gesellschaft leitet, gut verständlich. Der Alumnus und Universitätsdozent der Katholischen Theologie beschäftigt sich beruflich schon seit Langem mit dem Thema und weiß, dass Führungskräfte nicht nur ökonomisch denken. „Sie treffen naturgemäß nicht nur auf wirtschaftliche, sondern auch auf ökologische, gesellschafts- oder bildungspolitische Problemfelder, zu deren Verbesserung sie beitragen wollen.“

Im Produktionsbetrieb. Einen Beitrag leisten will auch das Verpackungs- und Papierunternehmen Mondi. Und weil die Papierindustrie lange Zeit nicht unbedingt für umweltschonendes Wirtschaften bekannt war, legt Mondi nun den Schwerpunkt seiner CSR-Aktivitäten auf nachhaltige Forstwirtschaft. „Es dauert mitunter 120 Jahre, bis ein Wald nachwächst. Nachhaltiges und vor allem langfristiges Nachforsten ist daher unabdingbar. Wir pflanzen jährlich etwa 31 Millionen Setzlinge“, berichtet Mondi-CEO Peter J. Oswald, Alumnus der Rechtswissenschaften. Auch mit der Entwicklung umweltverträglicher Produkte trägt Mondi zur Ressourcenschonung bei – so etwa mit dem biologisch abbaubaren Industriesack Terra Bag, der nach drei Monaten ganz von selbst verschwindet, wenn er nicht mehr gebraucht wird.

 

Auch IBM hat Schwerpunkte gesetzt: Als private Forschungseinrichtung hat sich der internationale Anbieter von IT-Lösungen für den Bildungsbereich entschieden und engagiert sich für mehr Bildungsgerechtigkeit in Österreich. IBM unterstützt die gemeinnützige Bildungsinitiative Teach for Austria mit dem Lernprogramm Reading Companion – eine Spracherkennungssoftware, mit der die SchülerInnen ihre englische Aussprache üben können. Außerdem stehen IBM-MitarbeiterInnen als Volunteers im Unterricht zur Verfügung: Sie bringen sich bei der Berufsorientierung, in Naturwissenschaften oder Englisch ein. Für Isabella Luschin sind CSR-Projekte mit Partnern von außen besonders bereichernd: „Sie bieten die Möglichkeit, Brücken zwischen unterschiedlichen Organisationskulturen zu bauen“, freut sich die Alumna der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.

Gut aufgesetzt. Soll ein CSR-Projekt fruchten, so geht das nicht von heute auf morgen. Firmen, die sich dazu entschließen, CSR in ihre Unternehmenstätigkeiten aufzunehmen, rät Friesl, konkrete Schwerpunkte für das gesellschaftliche Engagement festzulegen. „Dieses sollte auf jeden Fall in dem Bereich angesiedelt sein, wo auch das Kerngeschäft des Unternehmens liegt“, empfiehlt der CSR-Experte. Der Aufbau von CSR-Aktivitäten sei außerdem kein Thema, mit dem auf Anhieb glänzende Zahlen geschrieben und Erfolge verbucht werden können – vielmehr brauche es viel Geduld und einen langen Atem, so Friesl.
Zielstrebigkeit und Ausdauer in Sachen CSR haben sich bei Mondi ausgezahlt: Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Unternehmensstrategie fest verwurzelt und in allen Bereichen des Unternehmens spürbar.

 

Und: Es wird von der Unternehmensleitung getragen. Die Schwerpunkte im sozialen Engagement legt das CSR-Komitee, bestehend aus sechs Führungskräften aus verschiedenen Abteilungen des Unternehmens, fest. „Das Komitee haben wir ganz bewusst so aufgebaut, dass die Mitglieder rotieren und damit jeder – vom Leiter der Kommunikationsabteilung bis zum Finanzchef – die Möglichkeit hat, sich einzubringen“, berichtet Oswald.

Mehrwert für alle. Ob für die eigenen MitarbeiterInnen, die Umwelt oder die Gesellschaft, Engagement zahlt sich aus – auch und vor allem für die Unternehmen. „Das soziale Engagement von Firmen soll natürlich in erster Linie einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten“, betont Friesl. Gleichzeitig ist der Theologe aber überzeugt, dass dies in der Regel auch zu einem unternehmerischen Nutzen führe. So können CSR-Maßnahmen die Mitarbeiter­Innenbindung stärken oder dazu beitragen, sich vom Mitbewerb abzuheben. Mehr noch: Gesellschaftliches Engagement lässt sich mit ökonomischem Erfolg verbinden. „Wenn wir ein Produkt entwickeln, das 30 % weniger Ressourcen benötigt, wird es auch preiswerter“, berichtet Oswald.

 

Angekommen. Das Zukunftsthema Nachhaltigkeit ist in heimischen Unternehmen bereits auf der Agenda und bietet ein vielfältiges Betätigungsfeld für AbsolventInnen. „Ein Trend, der sich fortsetzen wird“, ist sich Isabella Luschin sicher, denn „KonsumentInnen sind schon heute immer besser informiert und treffen ihre Einkaufsentscheidungen sehr bewusst.“ Daher wird es für Unternehmen noch wichtiger werden, transparent und verantwortungsbewusst zu agieren und so auch zu attraktiven Arbeitgebern zu werden. •

 

 

                                              

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