Dienstag 12. Dezember 2017
In 80 Porträts um die Welt

In 98 Jahren um die Welt

 

Zeitzeugin. Dorothea Simon ist das älteste Mitglied im Alumniverband und zugleich eines der jüngsten, seit einigen Monaten ist die 98-jährige dabei. Bei Kaffee und selbstgemachten Brownies erzählt die Alumna der Psychologie über ihre Zeit an der Uni Wien und andere Lebensstationen.


Text: Siegrun Herzog

Prag, London, Oxford, Seattle und Arkansas sind – neben Wien – die wichtigsten Stationen auf Dora Simons Lebensweg. Anna Freud, Marie Jahoda und Charlotte Bühler kannte sie persönlich. Und als sie 1952 an der Universität Wien in Psychologie promovierte, hatte sie bereits Diplome aus Oxford und London in der Tasche. Seit über 50 Jahren lebt die in Wien Geborene nun wieder in ihrer Heimatstadt.

 

Im Kinderheim von Anna Freud. Als 18-Jährige ging die Tochter assimilierter Juden nach Prag, um dort eine Schule für Sozialarbeit zu besuchen. Die Einladung von Verwandten, den Sommer bei ihnen in England zu verbringen, stellt sich rückblickend als Glücksfall heraus – es war der Sommer 1938, die deutsche Abteilung der Prager Schule wurde aufgelöst und Dora Simon blieb in England. Sie erfuhr, dass Anna Freud ein Heim für Kriegskinder in London gründen wollte und nahm Kontakt auf. „Eine Frau öffnete, ich dachte es sei die Haushälterin, aber es war Anna Freud.“ Ein Jahr lang arbeitete sie mit den Kindern und hegte den Berufswunsch Kinderanalytikerin zu werden.

Mit einem Stipendium konnte Dora Simon in Oxford ihr Studium fortsetzen und schloss 1944 mit dem Diplom in Sozialarbeit ab. „Es war mitten im Krieg, ich war fertig mit der Ausbildung und wollte auch meinen Beitrag leisten.“ Sie meldete sich für die englische Armee und wurde Feldwebel. Die junge Sozialarbeiterin wurde dem Army education corps zugeteilt, wo sie Soldaten unterrichtete. Nebenbei absolvierte sie ein Fernstudium in Wirtschaftswissenschaften und Politologie an der London University.

 

 

Nachkriegs-Studium. Nach Kriegsende wanderte Dora Simon in die USA aus, wo sie bei einer jüdischen Wohlfahrtseinrichtung in Seattle tätig war – und heiratete einen Wiener. Ihr Mann sei sehr an Österreich gehangen, sie dagegen wollte erst nicht zurück. „Österreich war zu dieser Zeit so eng und provinziell“, erinnert sich Simon an das Wien der Nachkriegszeit. 1947 begann die damals 29-Jährige an der Universität Wien zu studieren, wo sie sich in Psychoanalyse weiterbildete und den Doktortitel in Psychologie erwarb. „An der Universität herrschte zwar kein offener Antisemitismus, aber die Art zu sprechen, das Vokabular, der Lehrstoff waren noch aus der Nazizeit“, erzählt Simon.

Nach weiteren fünf Jahren in den USA, wo Dora Simon an der Universität von Arkansas unterrichtete, traf sie schließlich die Entscheidung, endgültig nach Wien zu zurückzukehren, wo sie erst am Institut für Höhere Studien forschte und schließlich der Akademie für Sozialarbeit der Stadt Wien als Direktorin vorstand. „Wir haben die Kinder zusammengepackt und sind nach Wien zurück.“ Zwei der drei Kinder leben heute in den USA, sie selbst sei vor einigen Jahren zuletzt dort gewesen. Worauf sie stolz sei, nach diesem bewegten Leben? „Ich bin froh, dass ich meine Kinder und Enkelkinder habe – und ich habe riesen Glück gehabt“, meint Simon. Im Gegensatz zu ihre Mutter und Großmutter, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden.

Zum Alumniverband kam die 98-Jährige durch einen Zufall: Eine Studentin, die bei ihr zur Untermiete wohnte, bezog regelmäßig das univie Magazin. Nach einiger Zeit zog die Studentin aus, das Magazin kam weiterhin ins Haus und Dora Simon zum Alumniverband.

 

 

 

 

                                              

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