Donnerstag 12. Dezember 2019
© Alexandra Straub-Kaserer
Alumni-Karrieren

Mein Berufseinstieg

 

Wie klappt der Einstieg ins Berufsleben nach dem Studienabschluss? Vier AbsolventInnen erzählten bei einer Gesprächsrunde auf der Karrieremesse UNI-SUCCESS 2010 über ihre Erfahrungen, Alumniverband-Geschäftsführerin Ingeborg Sickinger stellte die Fragen.

 

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Suchart Wannaset

 

 

Ingeborg Sickinger: Wie habt ihr herausgefunden, was ihr nach dem Studium beruflich machen wollt?


Martin Staudinger: Ich war am Ende des Studiums hin- und hergerissen: Zum einen wollte ich in einen großen Konzern, wo man klassisch Karriere machen kann. Die zweite Idee war, selbst ein Unternehmen zu gründen. Schließlich wurde es keine dieser Varianten: Über einen Ferialjob, der dann ein Teilzeitjob wurde, bin ich schließlich zu einer Vollzeitanstellung in einer Agentur gekommen, die Media-Planning macht. Das war mein Einstieg in die Agentur- und Medienbranche. Mittlerweile bin ich seit sieben Jahren selbst Unternehmer, und seit vier Jahren geschäftsführender Gesellschafter eines feinen Fachverlags. Ich bin sehr froh, dass ich mich nicht gleich nach dem Studium selbstständig gemacht habe, mir hätte viel Know-how gefehlt.

 

Stefanie Pfennigbauer: Ich bin über ein Praktikum in einer PR-Agentur in den PR-Bereich ‚hineinge­rutscht‘.
Ich habe an der Uni Wien Publizistik studiert, mit Schwerpunkt auf Öffentlich­keits­arbeit und Werbung, um mir einen theoretischen Hintergrund zu erarbeiten. Und ich bin bis heute im PR-Bereich geblieben.


Lisi Perner: Was ich mit dem Theaterwissenschaftsstudium beruflich machen könnte, habe ich erst während des Studiums entdeckt, durch Praktika wie Regieassistenzen im Schauspielhaus und bei den Festspielen Reichenau. Ich empfehle, möglichst viele Betätigungen ausprobieren. Mir hat es geholfen, genau zu wissen, wofür und wogegen ich mich entscheide.


Beate Greilinger: Ich wusste relativ bald, schon während des Jus-Studiums, dass ich nicht in die Juristerei will. Richtig beschäftigt habe ich mich mit der Berufssuche aber erst gegen Studienende, davor habe ich mich darauf konzentriert, fertig zu werden. Nach dem Abschluss habe ich mich entschieden, eine Postgraduate-Ausbildung für Europarecht in Krems zu machen. Die Arbeitsmarktsituation für JuristInnen war damals schlecht, der öffentliche Sektor hatte zugemacht, alle mussten in die Privatwirtschaft. Ich wollte mich von den anderen unterscheiden. Dann bin ich in die IT-Branche gegangen, als Quereinsteigerin. Dass die Wahl auf die IT fiel war zufällig, mich haben die Möglichkeiten und die Offenheit für andere Fachrichtungen angesprochen. Mein erster Job war bei einer Tochter der VA-Tech, dort habe ich gelernt zu programmieren.

Wie seid ihr bei der Jobsuche vorgegangen und was empfehlt ihr?


Lisi: Direkt nach dem Abschluss war ich irrsinnig müde. Zwei Monate lang bin ich einfach nur weiter arbeiten gegangen, ich hatte einen 25-Stunden-Job in einem Theater. Ich weiß nicht, wie es mir gegangen wäre, wenn ich sofort mit der Jobsuche hätte anfangen müssen. Ich habe mich dann auf eine fachspezifische Jobbörse des Instituts für KulturKonzepte gestützt. Wichtig war: Ich habe mich nicht um jede Stelle beworben, weil ich gemerkt habe, dass ich mich bei jeder Bewerbung emotional einlasse. Ich habe deswegen meine Kräfte auf die Ausschreibungen konzentriert, die mich wirklich interessierten. Ich würde es heute wieder genauso machen. Ich habe ein halbes Jahr gesucht, mich bei drei Stellen beworben, wurde zwei Mal eingeladen – und eine ist es dann geworden.


Stefanie: Ich habe auch schon Teilzeit gearbeitet und hatte dadurch bei der Jobsuche keinen Druck. Es lohnt sich, sehr selektiv zu sein und zu hinterfragen: Ist das ein Job, der zu mir passt – auch das Team und die Atmosphäre? Ich habe auch ungefähr ein halbes Jahr lang gesucht und habe mich für zehn Positionen beworben. Mein Tipp: Man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn ein Vorstellungsgespräch einmal nicht so gut läuft.


Martin: Der Berufseinstieg ist eine intensive Zeit – und nach der intensiven Phase des Studienabschlusses braucht man wieder neue Kräfte. Ich empfehle, sich zuerst drei bis sechs Monate Auszeit zu gönnen und danach mit der Karriereplanung zu beginnen. Man ist noch lange genug in dieser Mühle, und es ist in Wirklichkeit völlig egal, ob man mit 24 oder 26 einsteigt. Aber es ist vielleicht nicht egal, ob man ein halbes Jahr die Welt gesehen hat. Das ist etwas, was ich heute anders machen würde. Ich habe mir jedoch eine Auszeit genommen, bevor ich mich selbstständig gemacht habe.


Beate, du hast dich als Juristin in der IT-Branche beworben – ein komplett anderer Bereich. Wie hast du den Wert deines Studiums argumentiert?


Beate: Bei den meisten ArbeitgeberInnen konnte ich meine Vorteile als Juristin gut argumentieren: Ich kann komplexe Sachverhalte analysieren, große Mengen lernen – und es gibt kaum einen Job in der Wirtschaft, wo man nicht mit Verhandlungen und Verträgen zu tun hat. Ich habe auch gemerkt, dass es ein Mehrwert ist, wenn man bunt und schillernd ist: Ich habe im Weinbaubetrieb meiner Eltern gearbeitet und im Sommer Kinderferienlager organisiert – zuerst wollte ich das gar nicht in meinen Lebenslauf schreiben, doch die PersonalistInnen hat das irrsinnig interessiert.


Stefanie: Man braucht ja auch kein Publizistik-Studium, um in der PR-Branche zu arbeiten. Aber ich habe zum Beispiel Durchhaltevermögen und Selbstorganisation gelernt. Man ist einE EinzelkämpferIn auf der Uni, gerade bei einem Massenstudium wie Publizistik. Und gleichzeitig trainiert man Teamwork. Beides kann man im Beruf gut einsetzen.

Was hilft beim Einstieg ins Berufsleben?


Martin:
Wichtig ist, mit Menschen zu reden, die den Berufseinstieg bereits hinter sich haben, und aus ihren Erfahrungen Ableitungen für den eigenen Weg zu machen. Da geht es um ungefilterte Erfahrungen über Erfolge und Misserfolge – denn wenn man in den Medien von Karrierewegen liest, denkt man oft nur: Boah, das schaffe ich ja nie! Aber so geradlinig verlaufen Karrieren in Wirklichkeit ja nicht. Es gibt Phasen, in denen einem alles sehr leicht fällt und dann wieder solche, wo man unsicher ist. Übrigens: Falls jemand in einem Medienunternehmen arbeiten möchte und an Erfahrungen interessiert ist, darf er oder sie mich gerne über Xing kontaktieren! (www.xing.com/profile/Martin_Staudinger)

 

Beate: Ich finde, man darf sich von den überhöhten Anforderungen in Stellenausschreibungen nicht demotivieren lassen. Da stehen wirklich alle Wünsche drin, da wird die eierlegende Wollmilchsau gesucht. Bewerbt euch auch, wenn ihr denkt, da erfülle ich gerade einmal die Hälfte. Denn die Persönlichkeit spielt ebenfalls eine Rolle – und man sollte seinen ganzen Typ, mit allen Ecken und Kanten, ins Rennen werfen.


Martin: Auch in der Arbeitswelt kochen alle nur mit Wasser. Dieser Gedanke entspannt.


Beate: Es macht Sinn, bei der Jobsuche auch das eigene Netzwerk anzuzapfen, speziell die Leute, die schon im Berufsleben sind. Im Bekanntenkreis steckt oft viel mehr drin, als man glaubt.

Das heißt, Bekannte fragt man einfach: Hast du einen Job für mich?


Beate:
Ja, auch, wieso nicht. Es ist gut sich mit den Leuten zu treffen und kundzutun, was man beruflich vorhat, was man möchte und was nicht. Zum Beispiel: Kennst du jemanden, der von einem Job weiß? Oder: Ich wäre interessiert, in deiner Abteilung mitzuarbeiten! Gibt’s da eine Möglichkeit?

 

  Suchart Wannaset
  Martin Staudinger
Der 38-Jährige studierte Internationale BWL. Vor sieben Jahren machte er sich selbstständig, heute ist er Chef der Medienwirtschaft Verlags GmbH.



  Suchart Wannaset
  Stefanie Pfennigbauer
Die Publizistik-Alumna ist Projektleiterin in der Marketing- & Kommu- nikationsabteilung von PricewaterhouseCoopers, davor war die 29-Jährige bei Samsung.



  Suchart Wannaset
  Lisi Perner
Sie studierte bis 2008 Theaterwissenschaft und Germanistik. Seit einem Jahr leitet die 31-Jährige das Kommunikations- team des Wiener Jugend­theaters Dschungel.


  Suchart Wannaset
  Beate Greilinger
Die 36-Jährige studierte Jus an der Uni Wien und postgradual Europarecht in Krems. Danach wechselte sie in die IT-Branche. Heute arbeitet sie bei Siemens IT Solutions.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                              

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