Sonntag 20. Oktober 2019
Alumni Aktuell
© Alexandra Straub-Kaserer

 

Gesprächsreihe: CSR & Unternehmensleitung

Best Practice-Beispiele aus dem Alumni-Netzwerk

 

Im Gespräch mit Mag. Dr. Karl Schwaha

Vizerektor der Universität Wien

Verantwortungsbereich: Infrastruktur

 

 

Alumni: Es gibt unzählige Definitionen von Nachhaltigkeit & CSR – wie definieren Sie die Begriffe persönlich?

 

Schwaha: Mit Recht verweisen Sie darauf, dass es keine einheitliche Definition der Begriffe Nachhaltigkeit und CSR gibt. Deswegen laufen sie Gefahr, zu leeren Worthülsen und Modebegriffen zu degenerieren.


Bei der Nachhaltigkeit halte ich mich persönlich an das 3 Säulenmodell, das zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit unterscheidet.


CSR ist für mich ein neuer Ausdruck für gesellschaftliche Verantwortung. Sie ist ein Oberbegriff für die Nachhaltigkeit und umfasst zusätzlich Themen wie das Führungsverhalten, die Integration von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Kommunikation mit der Gesellschaft.

 

Alumni: Was macht die Universität Wien im Bereich Nachhaltigkeit & CSR?

 

Schwaha: Universitätsübergreifend wurde mit einem Kick-off Workshop am 12.4.2012 eine Nachhaltigkeitsoffensive gestartet. Aufgrund der Größe und der Vielfältigkeit der Problemstellungen und auch aufgrund mangelnder Ressourcen haben wir uns als erstes auf die ökologische Säule konzentriert.

 

Für 2012 wurde von der Dienstleistungseinrichtung Raum- und Ressourcenmanagement (RRM) ein erster Umweltbericht erstellt, der als internes Arbeitsdokument zur Diskussion von ersten Maßnahmen und als Ausgangsbasis für zukünftige Umweltberichte dient. Der Umweltbericht 2013 wird universitätsintern verteilt und zur Diskussion gestellt werden.

 

Zur CSR wurden von einzelnen Organisationseinheiten bereits Initiativen gesetzt z. B. von der Universitätsbibliothek. Meiner Meinung nach fallen auch die Bemühungen zum ArbeitnehmerInnenschutz, das Schulungsangebot der Personalentwicklung, die Durchführung von Gesundheitstagen und die Angebote des Kinderbüros unter CSR.


Alumni: Wo erleben Sie Herausforderungen beim Konzeptionieren bzw. Umsetzen von Nachhaltigkeits- und CSR-Maßnahmen?


Schwaha: Die größten Herausforderungen ergeben sich aus der Heterogenität und der Breite der Universität. Aufgrund des Nachholbedarfs auf mehreren Gebieten besteht auch ein Mangel an Ressourcen zur raschen Umsetzung von Maßnahmen.


Beispielhaft möchte ich die fehlende Verfügbarkeit von Daten und Informationen zur Erfassung der ursachenbezogenen Verbräuche nennen. Zur besseren Steuerung der Verbräuche wird derzeit eine Leitwarte installiert, in der sämtliche automatisch erfassbaren Informationen zusammenfließen werden. Die Leitwarte wird damit zu einer weiteren Professionalisierung des Facility Managements beitragen.

Alumni: Wie gestaltet sich der „Spagat“ zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit, nachhaltiger Entwicklung und sozialer Verantwortung?


Schwaha: Natürlich setzen uns die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen enge Grenzen. Da wir öffentliche Mittel verwalten, sind wir angehalten, damit sparsam umzugehen. Deswegen basieren unsere Entscheidungen auf der betriebswirtschaftlichen Bewertung von Varianten. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen der Ermessensspielraum eine Prioritätensetzung nach Kriterien der Nachhaltigkeit erlaubt.


Als Beispiel möchte ich die Entscheidung zugunsten der Nutzung von Fernkälte anstelle von Investitionen in eine neue Eigenkälteversorgung nennen. Ein anderes Beispiel ist die Investition in einen Typ von Hochleistungsrechner, dem VSC 3, mit dem eine Energieeinsparung von 30% erreichbar ist.

 

Alumni: Wer ist in der Universität Wien für Nachhaltigkeit und CSR verantwortlich?

 

Schwaha: Die Letztverantwortung in Sachen Nachhaltigkeit und CSR trägt das Rektorat als Kollektivorgan. Eine eigene zentrale Funktion ist nicht vorgesehen. Für den Bereich ökologische Nachhaltigkeit sehe ich mich in meiner Zuständigkeit für RRM in der Verantwortung.

 

Wie bei anderen Themen gibt es natürlich eine gestaffelte Verantwortung der Führungskräfte. Jede Leiterin und jeder Leiter einer Organisationseinheit ist in ihrem/seinem Bereich verantwortlich für die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien und für die Anforderungen aus CSR.

 

Alumni: Gibt es einen Bereich, wo das Thema Nachhaltigkeit an der Universität Wien besonders gelungen umgesetzt werden konnte?

Schwaha: Hier möchte ich die Ressourcenbewirtschaftung nennen. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel – weg vom starren „Eichhörnchensyndrom“ zur adaptiven, flexiblen Bewirtschaftung. Im Raumbereich bedeutet jeder überflüssige Quadratmeter Verschwendung und erschwert möglicherweise die Arbeit von anderen. Andererseits bin ich mir bewußt, dass durch räumliche Nähe Kommunikation und damit Austausch von Meinungen und Ideen entsteht und dass darauf Rücksicht genommen werden muss. Hier gilt es einen vernünftigen Mittelweg zu finden.

 

 

 

 

 

 

© Bibliothek der Universität Wien

 

Die Universitätsbibliothek sieht sich als Ort, an dem es zum Selbstverständnis zählt, soziale, wirtschaftliche und ökologische Verantwortung zu übernehmen. Im Rahmen ihres gesellschaftlichen Engagements veranstaltete die Bibliothek der Uni Wien am 10. Oktober 2013 den Aktionstag Nachhaltigkeit und zeigte, wie nachhaltiges Handeln mit Verantwortung an einer öffentlich rechtlichen Einrichtung aussehen kann. Neben einer Vielzahl an Vorträgen und Diskussionen zum Thema Nachhaltigkeit und Chancengleichheit, konnte auch der Blindenarbeitsplatz an der Universitätsbibliothek besucht werden. Dieser bietet die technische und organisatorische Infrastruktur, um den Zugang zu Studienmaterial zu erleichtern und damit die Integration von sehbehinderten und blinden Personen zu verbessern.

 

» Nachhaltigkeitsinitiative der UB Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Raum- und Ressourcenmanagement der Universität Wien

 

Das Raum- und Ressourcenmanagement engagiert sich mit einer Reihe von Maßnahmen für die nachhaltige Weiterentwicklung des Umweltbereichs der Universität. So wird etwa bei der Instandhaltung oder beim Neubau von Universitätsstandorten darauf geachtet, umweltschädliche Auswirkungen zu minimieren und den Verbrauch von Ressourcen zu reduzieren.

 

Die komplette Umrüstung des Audimax‘ auf LED-Beleuchtung, bringt größtmögliche Energiesparpotenziale mit sich, ohne Kompromisse bei der Lichtqualität einzugehen.

 

Der neue Universitätsstandort „Oskar-Morgenstern-Platz 1“ trägt den GreenBuilding-Status.

 

» Raum– und Ressourcenmanagement: Drehscheibe der Nachhaltigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Universität Wien

 

>> Wie sieht die nachhaltige Universität

der Zukunft aus?

„Universitäten haben eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft. Sie sind Ausbildungsstätte der zukünftigen Entscheidungsträger eines Landes und Zentren für neue Erkenntnisse und neue Ansätze – auch im Bereich der Forschung, die sich selbst mit CSR/Nachhaltigkeit beschäftigt. Deswegen sollten meiner Ansicht nach Universitäten zum Vorreiter für die Umsetzung nachhaltiger Konzepte sein.“

 

                                              

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